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Maugosia Sycz

Maugosia Sycz

  • Malerin
  • geb. 1956 in Gliwice (Gleiwitz)
  • Philosophie-Studium an der Jagiellonen-Universität in Krakau
  • Kunststudium an der Minerva Art Academy in Groningen und an der Gerrit Rietveld Academy in Amsterdam, Malerei und Grafik (Diplom 1985)
  • Lebt und arbeitet seit 2014 im Schloss Sławnikowice (Kieslingswalde) nahe Görlitz-Zgorzelec
  • Im Netz: @maugosia_sycz_art | www.maugosia.com
  • Teilnahme an SATELLITEN 2022

Maugosia Sycz konnte ihren Traum vom Kunststudium in Polen nicht verwirklichen und emigrierte 1979, nach dem Studium der Philosophie an der Jagiellonen-Universität in Krakau, in die Niederlande, wo sie Malerei und Grafik studierte. Nach zwei Jahren an der Minerva Akademie in Groningen zog sie nach Amsterdam, wo sie nach drei Jahren an der Gerrit Rietveld Akademie 1985 ihr Studium der Malerei und Grafik mit „cum laude” abschloss und ihre berufliche Laufbahn als Porträtmalerin begann.

Ihrem Interesse an der Wechselwirkung von Kunstwerk und Raum folgend, absolvierte sie später noch eine Ausbildung an der Schule für Innenarchitektur Artemis in Amsterdam.

1988 ging Maugosia Sycz nach Frankreich und begann in ihrem Atelier in der Normandie-Hauptstadt Rouen Malunterricht zu geben. Nach ihrer Rückkehr nach Holland im Jahr 1996 arbeitete sie als Lehrerin an der Vrije Akademie für Erwachsene in Amersfoort und gab Malunterricht in ihrem Atelier. Zehn Jahre lang beteiligte sie sich einmal im Monat an „Offener Atelier-Tour” und stellte ihre Arbeiten der Öffentlichkeit vor. Nach ihren Plänen und unter ihrer Anleitung entstanden in Amersfoort viele Werke im öffentlichen Raum. In der Zeit stellte sie ihre Bilder u. a. in Amersfoort, Den Haag und Hyères (Fr) aus und nahm an zahlreichen Kunstmessen in Holland, Belgien und Deutschland teil.

Anfang 2013 fand sie im Internet die Information über das zum Verkauf stehende Schloss in Sławnikowice bei Görlitz-Zgorzelec und fasste mit ihrem Lebensgefährten den Entschluss, das Gebäude zu sanieren und als Wohn- und Arbeitsraum zu nutzen. Seit 2014 hat sie hier ihr Atelier und eine kleine Galerie.

Ihre Lieblingsmotive sind Phantasielandschaften, Bäume und Blumen. Über diese Vorliebe sagt die Künstlerin: „Ich habe angefangen, Blumen zu malen, in der Hoffnung, dass ihre Schönheit mich dem Geheimnis der Existenz näher bringt”.

Ausstellungen

Ausstellungen (Auswahl)

Die Bilder von Maugosia Sycz wurden in zahlreichen Ausstellungen und Kunstmessen in Holland, Belgien, Frankreich, Deutschland und Polen präsentiert und sind in privaten und öffentlichen Kunstsammlungen zu finden. Hier eine Auswahl der Einzelausstellungen der letzten Jahre:

  • Seit 2016 Dauerausstellung, Galerie Pałac Sławnikowice
  • 2019, 2018, 2017 Ars Augusta Kultursalon, Görlitz (D)
  • 2013 Eemhuis, Amersfoort (NL)
  • 2012 Huize het Oosten, Bilthoven (NL)
  • 2008 Het Klooster, Amersfoort (NL)
  • 2006 Salon der Bonsecours, Normandie (F)
  • 2002 Galerie Archetypes, Hyères (F)
  • 2002 Jean Monnet Haus, Berlin (D)

Künstlerin und ihr Ort

Schloss Kieslingswalde heute Pałac Sławnikowice

Wenn Maugosia Sycz im Schloss Kieslingswalde (heute Pałac Sławnikowice), dem wohl bedeutendsten klassizistischen Baudenkmal der Oberlausitz, Kaffee oder Tee in Geschirr aus Meißner Porzellan serviert, dann ist das durchaus angemessen. Denn in Kieslingwalde lebte Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651-1708), der maßgeblich an der Erfindung des europäischen Hartporzellans beteiligt war. Tschirnhaus war einer der bedeutenden Naturforscher des 17. und 18. Jahrhunderts. Er befasste sich mit Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften und wurde im Alter von nur 31 Jahren das erste deutsche Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Paris.

Als Leiter der kurfürstlichen Laboratorien in Dresden entwickelte der Gelehrte spezielle Brennspiegel und Brennöfen zur Erzeugung hoher Temperaturen. Sein Wissen teilte er mit Johann Friedrich Böttger (1682-1719), der zusammen mit Freiberger Hüttenleuten Porzellan herzustellen versuchte. Im Dezember 1707 gelang Böttger erstmals die Herstellung eines Porzellangefäßes. Da Tschirnhaus im Oktober 1708 starb, erlebte nicht mehr, dass 1710 die Porzellanmanufaktur in Meißen ihren Betrieb aufnahm. Das Grabdenkmal für Ehrenfried Walter von Tschirnhaus in der Dorfkirche von Kieslingswalde, gestiftet von seinem Bruder Georg Albrecht von Tschirnhaus, wurde in den 1970er Jahren zerstört. Teile davon hat Maugosia Sycz im naheliegenden Wald gefunden und im Schloss geborgen.

Kieslingswalde befand sich seit dem 15. Jahrhundert im Besitz der Adelsfamilie von Tschirnhaus, die sich nach Tschernhausen (Černousy) in Nordböhmen nannte. Ehrenfried Walther von Tschirnhaus gründete in Kieslingswalde eine Gelehrtengesellschaft, die er „Oberlausitzer Museum“ nannte, und richtete auf seinem Gutshof eine Glashütte mit Schleiferei sowie ein Laboratorium ein. Reste dieser Bauten sind noch in der unmittelbaren Nähe des Schlosses – aber nicht mehr auf Maugosia Syczs Grundstück – zu sehen. Sie gehören dem Staatsforstbetrieb und verfallen zusehends.

Nach dem Tod des Gelehrten und seiner Kinder wechselte das Gut mehrfach seine Besitzer, bis es 1801 an Wolf Ludwig von Gersdorff (1756-1832) überging, der später – nachdem die östliche Oberlausitz 1815 an Preußen gefallen war – zum Landrat des neu gebildeten Kreises Görlitz berufen wurde. Am 25. April 1812 brannte das Schloss Kieslingswalde ab und wurde daraufhin 1812/13 durch Wolf Ludwig von Gersdorff in der heutigen Gestalt neu errichtet.

1864 kaufte der herzoglich braunschweigische Kammerherr und pensionierte preußische Offizier Arthur von Witzleben das Rittergut. Die Adelsfamilie lebte hier bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Der letzte Gutsbesitzer war Willy von Witzleben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss als Schule genutzt. Nach ihrer Schließung verkaufte die Gemeinde Zgorzelec (Görlitz-Ost) den ehemaligen Adelssitz 2005 an den belgischen Künstler Bartel Vanvalle, der wiederum 2013 an die polnisch-niederländische Malerin Maugosia Sycz.

Text nach: „Schlösser in der polnischen Oberlausitz“ von Lars-Arne Dannenberg und Matthias Donath (2011), gekürzt und ergänzt von Agnieszka Bormann

Kunstobjekte