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Komorowice

Exkursion nach Komorowice - 11.09.2021

Das kleine Dorf Komorowice (Kummelwitz) liegt idyllisch eingebettet in die hügelige und landwirtschaftlich geprägte Landschaft südlich von Wrocław (Breslau). Seit 2001 lebt hier der Künstler Tomasz Domański, der mit seiner Partnerin Beata Lubicka im Laufe der Jahre einen einzigartigen Kunst-Garten schuf. Moderne, großformatige Skulpturen und Installationen, meist in Form von Türmen, bilden hier mit sorgfältig ausgewählten und im Stile eines japanischen Gartens geführten Bäumen und Sträuchern ein hochästhetisches Ensemble. Wieżogród (Turmgarten) heißt die Anlage und ist nicht öffentlich zugänglich – steht aber für Kunstinteressierte immer offen.

Das Eintauchen in dieses landschaftsarchitektonische Universum ist ein ästhetisches Erlebnis besonderer Qualität, bei dem auch kunsthistorisches Wissen vermittelt wird. Tomasz Domański schwärmt nämlich von seinen Vorbildern: dem amerikanischen-japanisch Bildhauer, Designer und Landschaftsarchitekten Isamu Noguchi (1904-1988), dem rumänisch-französischen Bildhauer und Fotografen Constantin Brâncuși (1876-1957), dem russischen Maler Kasimir Malewitsch (1878-1935) und dem italienischen Bildhauer und Architekten Giovanni Lorenzo Bernini (1598-1680). Jedem von ihnen hat Domański in seinem Turmgarten eine gestalterische Hommage gewidmet.

Beeindruckend ist die Vielzahl der Skulpturen und Objekte, vor allem die fünf großen Türme, die insbesondere in ihren Innenräumen unterschiedliche optische und akustische Erlebnisse ermöglichen. Zu jedem Objekt hat der Künstler eine spannende Geschichte zu erzählen, über die Inspiration, Motivation, Ausführung.

Als vielseitiger Künstler arbeitet Tomasz Domański auch in den Bereichen Installation, Zeichnung, Video, Fotografie und Performance. Filme oder Animationen bilden integrale Bestandteile vieler seiner Werke – so auch im Turmgarten. Nach einem geführten Spaziergang über das Gelände hatten wir die Gelegenheit, einige Videos von der Installation bestimmter Türme in Augenschein zu nehmen. Dazu wurde ein Teil der Scheune des Künstlers, die gleichermaßen als Werkstatt und kleine Galerie funktioniert, zu einem kleinen Kinosaal umfunktioniert. Nach der Vorführung konnten wir die gerade erschienene Turmgarten-Monografie bewundern.

Beim Mittagessen entwickelte sich ein spannendes Gespräch zwischen dem Gastgeber-Paar und den Gästen. Kommentare und Fragen zum Gesehenen mischten sich mit Themen der deutsch-polnischen Geschichte der Region, was an diesem Ort, einem alten deutschen Hof, auf beste Weise wie selbstverständlich schien. Wir seien die erste Besuchergruppe seines Wirkungsortes aus Deutschland, sagte Domański sichtlich gerührt.

Gestärkt mit schmackhaftem Eintopf und Kuchen von Beata Lubicka fuhren wir zur zweiten Station der Exkursion, dem Arboretum in Wojsławice (Woislawitz), um dort eine andere Art der Gartenkunst zu bewundern. Das zu den Kulturdenkmälern zählende Arboretum ist seit 1988 eine Zweigstelle des Botanischen Gartens der Universität in Wrocław. Weitläufig und trotzdem bis ins kleinste Detail sorgfältig gestaltet, bot die Anlage einen passenden Ausklang für den erlebnisreichen Tag.